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Von der Preissuchmaschine zum Marktplatz – Preissuchmaschinen im Wandel

von Alexander Hofmann / Mittwoch, 21 Januar 2015 / Veröffentlicht in E-Commerce-Fachartikel

Jeder Onlinehändler - unabhängig von der Unternehmensgröße - hat einen großen Wunsch nach möglichst rentablen Marketing-Ausgaben, um Sichtbarkeit (Brand) und Kundenrelevanz im Internet zu erlangen oder zu sichern. Dies gilt für Nischenshops (z.B. windeln.de in frühen Anfängen) genauso wie für online expandierende Einzelhandelsketten (z.B. mediamarkt.de) oder die aktuellen Nischenshops von etablierten Handelskonzernen (z.B. ekinova.de). Preissuchmaschinen spielen hierbei immer noch eine entscheidende Rolle, da der ROI bei der Verwendung von Preissuchmaschinen exakt getrackt und beeinflusst werden kann.

Veränderte Nutzer-Gewohnheiten und Ansprüche sowie ein sich weiterentwickelndes Wettbewerbsumfeld führten und führen zu starken Veränderung im Geschäftsmodell der Anbieter von Preissuchmaschinen.

Es lohnt sich nicht nur für Onlinehändler, sich der, im folgenden analysierten Entwicklungsschritte der Preissuchmaschinen (inkl. Screenshots) und der damit einhergehenden Veränderungen der Informations-Aufgaben bewusst zu sein. 

 

Inhaltsverzeichnis/ Zwischenüberschriften:

  • Die Veränderung der Begrifflichkeit
  • Von der Preissuchmaschine zum Preisvergleich
  • Von dem Preisvergleich zur Produktsuche
  • Verlagerung von Produktinformationen
  • Aktuelle Trendentwicklungen und Ausblick - Thesen
  • Die Produktsuche wird zu einer Produkt-Beratung erweitert
  • Bereitstellung weiterer Informationen auf Produkt-Suchmaschinen
  • Von der Produktsuche hin zum Onlineshop-Vergleich
  • Onlineshops werden zu Logistikdienstleistern degradiert
  • Von der Produktsuche mit Produktberatung zum Marktplatz mit Kaufmöglichkeit
  • Amazon
  • Gegenangriff der Produktsuche-Anbieter 
  • Produktportale als Alternative zu Produktsuchen
  • Geschäftsmodell von Produktportalen
  • Vorteile bei bestimmten Sortimenten
  • Drill down in Kategorisierung
  • Meta-Preisvergleiche
  • Warenkorb-Preisvergleich 
  • FAZIT und Einschätzung
  • Gefahren und Chancen für Onlinehändler
  • Ausblick - Spezialisierte Preisvergleiche

 

 

 

Die Veränderung der Begrifflichkeit

Noch vor 10 bis 15 Jahren trugen Anbieter wie idealo, billiger oder günstiger mindestens den Zusatz "Preissuchmaschine", wenn nicht sogar der Begriff Teil der Domain war. Die Nutzer waren schließlich auf der Suche nach dem "Online-Preis" des im stationären Geschäft gesehenen Produkts. Gesucht wurde im "neuen Internet". Diese Preisinformation über die Preise der ersten Onlineshops wurden auf den Webseiten der Preissuchmaschinen gebündelt. 

 

Von der Preissuchmaschine zum Preisvergleich

Die Preissuchmaschinen lieferten für die meisten Produkte in den Anfängen zunächst meist den selben Online-Preis aufgrund einer überschaubaren Anzahl an Onlineshops. Mit der stetig steigenden Anzahl an Onlineshops verlagerte sich der Mehrwert der Preissuchmaschinen zum Vergleich der Vielzahl an unterschiedlichen Online-Preisen. Die Bedeutung des Begriffs Online-Preis eines Produktes wurde im nächsten Entwicklungsschritt auf den AKTUELL besten Online-Preis übertragen. Verstärkt wurde dieser Trend auch aufgrund immer stärker schwankender Preise (Wegfall des Rabatt-Gesetzes). Die BGH-Rechtsprechung im Jahr 2010 über die verpflichtende "Echtzeit"-Darstellung verschiedener Produktinformationen (Preis, Versandkosten, Lieferzeit) in der Vergleichsansicht zementierte die bis heute anhaltende rechtliche Notwendigkeit einer hohen Qualität an aktuellen Vergleichs-Daten seitens der Preisvergleichs-Anbieter.

 

Von dem Preisvergleich zur Produktsuche

Der Description-Tag und Formulierungen auf Unterseiten der Preisvergleichs-Anbieter wie z.B. "Produktsuche bei…" zeigt aktuell die deutliche Wandlung vom Preisvergleich zur, dem Preisvergleich vorgelagerten Produktsuche. Waren früher die Nutzer darauf angewiesen, das für Sie optimale Produkt anhand von Informationen aus dritten Quellen (Testberichte, Nutzerberichte und Herstellerangaben)  auszuwählen, sind nun Nutzer-Eingaben à la "Kaffeemaschine" bei den, nun als Produktsuche-Anbieter zu betitelnden Preisvergleichsanbietern, die Regel. Der Nutzer erwartet somit u.a. die folgenden, dem reinen Preisvergleich vorgelagerten Zusatz-Services:

 

  • Marktübersicht
  • User-Bewertungen
  • Testergebnisse
  • Filterfunktionen zur Identifikation des optimal passenden Geräts
  • Beste Preisleistung

 

Insbesondere die Filterung aller am Markt befindlicher Geräte anhand einzelner, individuell einstellbarer Merkmale (Farbe, Leistung, Schnittstellen, Gewicht, etc.) durch den Nutzer gewinnt zunehmend an Bedeutung und wird von Anbietern wie idealo.de auch technisch vorangetrieben.

 

Verlagerung von Produktinformationen

Die zuvor beschriebenen Filterfunktionen bedürfen einer immer stärkeren Verschiebung von Produkt-Informationen von Händlern und Herstellern hin zu den Produktsuche-Anbietern. Zu beachten ist auch, dass neben dem Aggregieren eines möglichst großen (Produkt)-Datenstroms für die Produktsuche-Anbieter  v.a. die Sicherstellung der Qualität der Daten (strukturierte Daten) notwendig ist, um bei der Filterung von Produkten Fehler auszuschließen und die Kundenzufriedenheit beim Finden von Produkten sicherzustellen.

Wurde das individuell passende Produkt durch den Nutzer gefunden, so wird der nun folgende Produkt-Preisvergleich, welcher vor wenigen Jahren noch die Hauptaufgabe der Produktsuche-Anbieter war, wie selbstverständlich erwartet und innerhalb von Sekunden "erledigt". Die Preisvergleichsfunktion ist somit bezogen auf die Zufriedenheit der Nutzer nur noch ein Basismerkmal, wo hingegen die erfolgreiche Nutzer-Unterstützung hin zum passenden Produkt zunehmend als die Königsklasse (Begeisterungsmerkmal nach KANO) bewertet werden kann.

 

Aktuelle Trendentwicklungen und Ausblick - Thesen

Die Produktsuche wird zu einer Produkt-Beratung erweitert

Schon jetzt bietet der ein oder andere Anbieter Live-Chats zur Produktberatung an. Derzeit hängt die Qualität der Produktberatungen jedoch noch sehr stark davon ab, ob sich die Fragen auf die in der Datenbank vorliegenden Produktdaten beziehen, oder ob die Produktberatung vielmehr auf das jeweilige Einsatzszenario des Produktes eingehen soll ("...meine Küche hat eine relativ hohe Arbeitshöhe. Ist das Gerät dann noch gut zu bedienen?..."). Die Skalierbarkeit sowie die langfristige Rentabilität dieser individuellen Beratung darf jedoch in Frage gestellt werden, wobei diese Form der Beratung auch als eine abgewandelte  Form des Nutzer-Feedbacks betrachtet und zukünftig auch genutzt werden wird. Insbesondere, da ein bedeutender Anteil der Nutzer auf Produktseiten den Erstkontakt mit neuen Produkten unterschiedlicher Hersteller erlebt, dürfte dies für Hersteller zunehmend von Interesse sein.

 

Bereitstellung weiterer Informationen auf Produkt-Suchmaschinen

Von der Produktsuche hin zum Onlineshop-Vergleich

Aus Sicht eines Käufers sind die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Onlineshops oftmals sehr gering. Bei Preisunterschieden im einstelligen Euro-Bereich rückt daher die Auswahl des Shops mit den persönlich besten Servicevorteilen in den Vordergrund. Diese Auswahl wird zunehmend in Produktsuchen integriert, was die folgenden Ergebnisfilter zeigen:

  • Zustand (nur Neuware)
  • Lieferzeit (nur sofort lieferbare Artikel anzeigen) 
  • Nur Shops mit kostenloser Rücksendung

Zunehmend werden auch bereits verfügbare Gutscheincodes im Vergleich angezeigt, damit die Nutzer nicht länger auf externen Affiliate-Gutschein-Seiten nach Gutscheincodes suchen müssen und damit, auf Seiten der Händler, die damit verbundenen Affiliate-Publisher-Provisionen die Margen nicht unnötig mindern.

 

Onlineshops werden zu Logistikdienstleistern degradiert

Der Integration von Informationen über die Services der gelisteten Onlineshops in den Produkt- und Preisvergleichsablauf wird weiter zunehmen, da die User über Zeitersparnis und Transparenz klar profitieren. Die Gefahr für Onlinehändler die sich daraus ergibt, ist  die Reduktion des Geschäftsmodells auf die Logistikabwicklung eines Fulfilment-/ Lager-Dienstleisters, der lediglich mit dem Zusenden, des Produkts betraut wird, für das sich der Nutzer auf der Webseite der Produktsuche entschieden hat. Durch die fehlende Unterscheidung zu Wettbewerbern kann dies zu großen Problemen im Geschäftsmodell (Differenzierung?) führen.

Die folgenden Serviceleistungen werden unserer Einschätzung nach in naher Zukunft auf Preisvergleichs-Portalen in den Filterfunktionen enthalten sein:

 

Sicherheits-Vergleichskriterien:

  • Filterung nach Käuferschutz-Mitgliedschaft des Händlers
  • Dauer der Rückgabemöglichkeit (14 Tage, 30 Tage, 90 Tage an Weihnachten)
  • Zahlungsmöglichkeiten in den einzelnen Onlineshops
  • Detaillierte Produktbewertungen
  • Nach Herstellerzertifikat (z.B. offizieller Vertriebspartner)

 

Kostentransparenz beim Kauf:

  • Versand erfolgt aus dem Ausland (Bedeutet längere Versanddauer und erhöhte  Transportgefahr)
  • Rückversand muss ins Ausland erfolgen (Bedeutet erhöhte Rückversandkosten und -risiken)

 

Leistungen bei Defekten oder Problemen:

  • Filterung nach Garantieleistungen/ -dauer der Hersteller
  • Filterung nach freiwilligen Leistungen bei Defekt (z.B. Reparaturdauer unter 2 Wochen)
  • Kostenlose Rücksendung bei Defekten 

 

Von der Produktsuche mit Produktberatung zum Marktplatz mit Kaufmöglichkeit

Dass die fortschreitende Entwicklung der Preissuchmaschinen mit der zunehmenden Integration von Händlerinformationen noch nicht abgeschlossen ist, zeigen aktuelle Tests des Anbieters idealo. Da sowohl detaillierte Produktinformationen als auch Händlerinformationen bereits auf den Portalen vorliegen, ist die Weiterentwicklung vom Produktberatungs-  und Vergleichsportal hin zum Marktplatz konsequent. Nach der Entscheidungsfindung für ein Produkt bei einem bestimmten Händler erfolgt der Checkout nicht mehr auf der verlinkten Händlerwebseite, sondern direkt im Portal.

 

Idealo Direktkauf

Quelle: Screenshot - Idealo.de

 

 

Produktsuchen bedienen somit zunehmend die komplette Customer Journey. Von der Suche nach dem individuell passenden Produkt, bis hin zum Checkout inkl. Zahlungsbestätigung müssen Käufer zu keinem Zeitpunkt die Webseite wechseln.

 

Diese Transformation von Vergleichsportalen hin zu Marktplätzen auf denen Kunden Waren verschiedener Händler direkt kaufen können ist nicht erst durch die anhaltenden Tests und Entwicklungen des Anbieters idealo sichtbar. Auch der KFZ-Ersatzteilpreisvergleich daparto.de bietet aktuell einen marktplatztypischen zentralen Checkout an.

 

 

 

Doch was sind die Ursachen für diese Entwicklung?

 

Amazon

Schaut man sich das aktuelle Marktumfeld genauer an, so wird sichtbar, dass sich in den vergangenen 15 Jahren insbesondere das Unternehmen Amazon vom Buchhändler über diverse Sortimentserweiterungen und der Zulassung von Dritthändlern, hin zum alles umfassenden Marktplatz entwickelt hat. Amazon wird aufgrund des umfangreichen Sortiments zunehmend als Produktsuche genutzt. 

Einer Analyse von PreisAnalytics zufolge können 82% aller Produkte auf Amazon erworben werden. Allerdings liegt der Anteil der Produkte bei denen Amazon tatsächlich der Preisführer ist bei lediglich 15%.

Dies ist jedoch aufgrund der von Amazon berechneten prozentualen Verkaufsprovisionen in Höhe von 7 bis 20 Prozent je Bruttoverkaufspreis inkl. Versandkosten nicht verwunderlich. Dennoch suggerieren verschiedene Veröffentlichungen und Berichterstattungen zur Übermacht von Amazon stets den Eindruck, dass Amazon der Preisführer sei und Onlinehändler somit langfristig durch die Service- UND Preisvorteile auf unvermeidliche und tödliche Konkurrenz stoßen werden. Von der weit verbreiteten angeblichen Preisführerschaft profitiert Amazon ganz enorm, da somit die Zahl der Kunden wächst, die vor dem Kauf bei Amazon auf einen vorgelagerten Preisvergleich verzichten.

 

Ziel von Amazon: Jedes Produkt soll auf Amazon erhältlich sein

Doch auch über andere Formate und Methoden will Amazon den Anteil aller verfügbaren Produkte von den erwähnten 85% auf möglichst 100% erhöhen. Ein Beispiel stellen die "Product listing ads" dar:

Amazon Verlinkung auf exteren Webseite

Quelle: Screenshot Amazon.de

 

Hierzu werden in den verschiedenen Angeboten eines Produkts auch externe Angebote angezeigt, die nicht über den Amazon Checkout, sondern ausschließlich auf der Seite des Drittanbieters gekauft werden müssen. Zur rigorosen Erweiterung des Sortiments schluckt Amazon sozusagen die "bittere Pille" einer externen Verlinkung. Dies macht die Priorität eines umfassenden Sortiments deutlich.

 

 

Gegenangriff der Produktsuche-Anbieter 

Da Amazon langfristig bestrebt ist sich zu einer vollwertigen Produktsuche zu entwicklen, gehen sozusagen Preisvergleichsanbieter zum notwendigen Gegenangriff über und transformieren Ihre Portale hin zu Marktplätzen.

Die Erfolgspotentiale der Produktsuche-Anbieter, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums eine Transformation zu einem Marktplatz zu vollziehen, stehen aufgrund der Portal-Größen der verschiedenen Anbieter sehr gut, was an den folgenden Daten sichtbar wird:

Idealo.de

  • 35.700 rein gewerbliche Onlinehändler
  • 164,8 Millionen Angeboten (entspricht nicht der Artikelanzahl)

 

Geizhals.de

  • 48795 rein gewerbliche Onlinehändler
  • 1.171.880 Artikel

 

billiger.de

  • 22.500 rein gewerbliche Onlinehändler
  • über 2.000.000 Artikel

 

Auch wenn Amazon mit ca. 37 Mio Artikeln (davon entfallen ca. 10 Millionen alleine auf die Kategorie Bücher, Quelle statista.com) einen Vorsprung hat, so ist das Marktplatzpotential der Preisvergleichs-Anbieter auch im Vergleich zu Amazon dennoch gegeben, zumal der Vergleich durch private Verkaufsangebote auf Amazon.de verzerrt ist.

 

Differenzierung über Marktübersicht und Produktsuche

Während man bei Eingabe eines Suchbegriffes bei Amazon.de lediglich beschränkte Sortierungs- und Filtermöglichkeiten hat, bieten Preisvergleichs-Anbieter wie idealo mit einer größeren Datenbasis und einer qualitativ  besseren Datenstruktur eine komfortablere und schnellere Produktsuche.  Dies wird am folgenden kurzen Beispiel sichtbar:

 

Beispielhafter Bedarf:

Notebook: 15,6", mit Nummernblock, mattes Display (Arbeit auf Terrasse), Full-HD Auflösung

 

Amazon liefert hier eine unüberschaubare  Anzahl an Ergebnissen von denen die wenigsten alle Anforderungen erfüllen. Idealo hingegen bedient diesen Recherche-Bedarf mittels einer detaillierten Filterfunktion ohne Mängel und liefert ausschließlich zutreffende Ergebnisse. 

Dieses datengetriebene Produktfindungs-Konzept hat jedoch in bestimmten Sortimenten, wie z.B. bei Fashion-Produkten Schwächen.

Generell wohnt dem Feld "Fashion & E-Commerce" eine große Bandbreite an weiteren zu bewältigenden Herausforderungen inne, die hier nicht weiter thematisiert werden sollen.

 

 

Szenarien zur Nutzung von Preisvergleichsportalen und Marktpläzen

Es gibt eine Reihe von Szenarien, wie Preissuchmaschinen, Markplätze und Ladengeschäfte bei der Recherche und beim Kauf von Produkten durch Kunden genutzt werden können. In den folgenden Fluss-Diagrammen wurde auf der Checkout-Seite zur Vereinfachung nur zwischen der Masse unterschiedlicher Onlineshops und Amazon, stellvertretend als der dominante Markplatz unterschieden. Ebenso wurde eine etwaige länger andauernde Customer Journey ausgeklammert. Zunächst wird eine kurze Brücke in die Vergangenheit geschlagen:

 

Szenarioübersicht auf Slideshare:

 

 

 

Produktportale als Alternative zu Produktsuchen

Eine Betrachtung der historischen und aktuellen Produktvergleichs-Entwicklungen darf die Produktportale nicht ausklammern. Anbieter wie twenga.de, shopwahl.de oder Ladenzeile.de treten an, um die Suche und Auswahl von Produkten für Käufer einfacher und schneller zu gestalten.

 

Geschäftsmodell von Produktportalen

Produktportale kommen, was den Vergleich mit Preisvergleichen betrifft, aus einer anderen Richtung, nämlich der des Performance Marketing. Produkte aus Onlineshops und Marktplätzen werden ohne Beauftragung gelistet, um den Nutzern ein möglichst umfangreiches Auswahl-Sortiment bieten zu können. Die Vergütung erfolgt hier anders als bei dem CPC- Modell (Costs per Click) der Preisvergleichsanbietern, provisionsbasiert bei einem erfolgreichen Kauf des Nutzers im verlinkten Onlineshop. Die Onlineshops profitieren hierbei von einer budgetlosen (keine Grundgebühr, lediglich Kosten bei erfolgreichem Verkauf) Steigerung Ihrer Online-Sichtbarkeit.

 

Vorteile bei bestimmten Sortimenten

Gelangen Preissuchmaschinen mit Ihrer datengetriebenen Darstellung von Produkten bei Fashion-Artikeln an Ihre Grenzen, so liegt bei Produktportalen ein starker Fokus auf der Darstellung und Auswahl-Erleichterung von nicht vergleichbaren Produkten.

Produktportale weisen wiederum Schwächen bei der Qualität von strukturierten Daten z.B. beim Sortiment Elektronik auf, da die Daten für die Produktportale i.d.Regel nicht von den Händlern bereitgestellt werden. Dies zeigt z.B. das folgende Beispiel, in dem plötzlich auch Toner im Notebook-Produkt auftauchen und dadurch die Usability des Vergleichs nicht mehr gegeben ist.

Twenga Produktlisting HP Notebook Quelle: Screenshot Twenga.de  - Zeigt exemplarisch die Herausforderungen einer hohen Datenqualität

 

Diesem Problem begegnen wiederum andere Produktportale dadurch, in dem sie ganze Produktkategorien konsequent ausschließen, um den Fokus auf Inspiration und "nicht vergleichbare" Artikel zu setzen. Da in diesem Inispirationsumfeld der Preisvergleich keine große Rolle spielt, wird dieser auch konsequenter weise nicht angeboten.

 Ladenzeile.de Fashion

Quelle: Ladenzeile.de - Fehlende Technik-Kategorien

 

Drill down in Kategorisierung

Da die für Produktportale verfügbaren Daten i.d.Regel unstrukturiert vorliegen, setzen einige Anbieter auf eine stärkere Kategorisierung unter Usability Aspekten. So bildet z.B. der Anbieter Ladenzeile.de im folgenden Beispiel die sehr starke Unterkategorisierungen "Vogelvillen" unter einer aufwändigen Implementierung zusätzlicher Icons an, um so eine bessere Auswahl-Usability und Übersicht zu erreichen.

 Ladenzeile Vogelhäuschen

Quelle: Ladenzeile.de

 

 

Meta-Preisvergleiche 

Eine weitere Kategorie stellen Meta-Preisvergleiche dar. Meta-Preisvergleiche fragen in Echtzeit die Preise anderer Preissuchmaschinen ab und ergänzen Sie teilweise  mit weiteren Angeboten aus Produktportalen oder Affiliate-Netzwerken. Obwohl Meta-Preisvergleiche gemäß unterschiedlicher Statistiken in der Vergangenheit keine großen Einfluss auf die Umsatzvermittlung im E-Commerce hatten, könnte sich dies zukünftig aufgrund der folgenden User-Benefits jederzeit ändern:

  • Suchen an einer Stelle - Finden auf mehreren Preisvergleichen
  • Keine Preissuchmaschine enthält alle Shop-Angebote
  • Anzeige des Marktpreises (enthält z.B. auch ebay-Auktionen und Festpreisangebote)

 

Die Datenqualität und die Such-Algorithmen (Fehlertolerante Suche etc.) sind jedoch meist nicht auf dem gegenwärtigen Stand der Technik. Meta-Preissuchmaschinen sind aktuell nur dann gut einsetzbar, wenn der benötigte Artikel schon klar definiert ist. Übertragen auf die obigen Grafiken ergibt sich bei der Nutzung einer Meta-Preissuchmaschine u.a. das folgende Szenario:

 

 Meta-Preisvergleiche ecomparo

 

Wenn sich Preisvergleichs-Anbieter zunehmend zu Marktplätzen wandeln, übernehmen Meta-Preisvergleiche langfristig einen Marktplatzübergreifenden Preisvergleich nach Abschluss der Produktsuche.

 

 Weitere Schwachstellen von Meta-Preisvergleichen:

  • Enthalten teilweise unseriöse Angebote/ betrügerisch agierende Onlineshops aufgrund hürdenloser Listung von Angeboten
  • Auktionsangebote werden mit Festpreisangeboten gemischt dargestellt
  • Keine Trennung zwischen Gebraucht- und Neuware möglich

 

 

Warenkorb-Preisvergleich 

Das die Entwicklung der Preisvergleiche nicht bei der Transformation in Marktplätze stehen bleibt, zeigt ein Blick auf die Rubrik der Online Apotheken und dortigen Preisvergleiche. Der Preisvergleich von Online-Apotheken geht mit seiner Vergleichsfunktionalität einen Schritte weiter und bietet einen Shopübergreifenden Warenkorb(=Einkaufsliste) an. Werden mehrere Produkte hinzugefügt, so berücksichtigt Medipreis die Gesamtwarenkorbkosten in den einzelnen Apothekenshops. Bei einem Klick auf Bestellen werden die Produkte der Einkaufsliste direkt in den Warenkorb der Apotheken-Shops übertragen. Auch hier werden die einzelnen Apothekenshops auf Ihre Checkout- und Zahlungs-Funktion reduziert, wodurch kein großer Platz für Spontankäufe existiert.

 

 

Medipreis.de Einkaufsliste

Quelle: Medipreis.de - Einkaufsliste auf Preisvergleichsseite

 

 

FAZIT und Einschätzung

Gefahren und Chancen für Onlinehändler

Onlineshops sind neben dominierenden Marktplätzen (Amazon) auch zunehmend durch eine vertikale Diversifikation von Preisvergleichen bedroht. Steigt die Kundenrelevanz von Preisvergleichen weiter an, so verringern sich für Onlinehändler die Möglichkeiten durch direkte Onlineshop-Optimierungen, z.b. der Shop-Usability, der Shopsuche oder der Onpage Conversion-Rate (A/B Testing) den Umsatz aktiv zu beeinflussen. 

Andererseits stärkt eine größere Bedeutung von Preisvergleichsportalen die dort gelisteten Shops, wenn diese ihre Produkte nicht auf Markplätzen wie Amazon, ebay oder Meinpaket anbieten (möchten). Durch die Einsparung von Marktplatzprovisionen ist prinzipiell eine Wettbewerbsfähigkeit zu Marketplace-Händler gegeben.

Doch auch Features von Preisvergleichen, die bzw. von Amazon so nicht angeboten werden, können die Käufergunst von Preisvergleichsportalen weiter erhöhen. Als ein Paradebeispiel kann hier die schon länger existierende Preisalarm-Funktionalität angeführt werden, welche v.a. bei nicht dringend benötigten Artikeln einen Mehrwert für Kunden bietet. 

 

Ausblick - Spezialisierte Preisvergleiche

Dass Preisvergleichsportale gegenwärtig eine große Aktualität und damit auch Kundenrelevanz besitzen, erkennt man unter anderem daran, dass stetig weitere Preisvergleiche für noch "unverglichene" Märkte entstehen. Ob Leistungserweiterungen von Check24 oder der Flugvergleich von idealo (fluege.idealo.de), Vergleichsanbieter möchten nicht nur Amazon (bei Produkten), sondern v.a. Google als Einstiegs-Webseite in den Onlinekauf durch optimierte Kunden-Usability im Kauf- /Vergleichs-Prozess ablösen.

In einem der nächsten Beiträge werden wir u.a. beleuchten, welche Auswirkungen die geschilderten Entwicklungen der Preisvergleichs-Anbieter konkret für Händler im Hinblick auf die unterschiedlichen Differenzierungsmöglichkeiten im Markt bedeuten. Auch werden wir die Frage klären, ob aufwändige Produktdarstellungen im Onlineshop wirklich zielführend sind.

 

Alexander Hofmann

Alexander Hofmann ist Geschäftsführer der HOWADO GmbH, die mit ecomparo Recherche- & Beratungsleistungen zur Auswahl passender E-Commerce-Software bietet. Als E-Commerce Experte unterstützt er Unternehmen dabei, die Zukunftsfähigkeit von Geschäftsmodellen zu validieren, E-Commerce-Strategien zu bewerten und durch die Identifikation der individuell passenden E-Commerce-Software-Bausteine ein langfristig uneingeschränktes Unternehmenswachstum sicherzustellen. Er schreibt und spricht regelmäßig über verschiedene Themen des E-Commerce und ist ein gefragter Interviewpartner in Fachmagazinen.

 

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